http://www.guiritanos.org
  » Casa » Über Guiritanos.org » Team
  • Über Guiritanos

     
    Guiri ist der liebevoll abfĂ€llige Ausdruck der Spanier fĂŒr Touristen aus dem Norden.
    -tanos kommt von Gitanos, dem Volk der Roma.   » Mehr

  • Weltkarte

  •  

    Juni 2017
    M D M D F S S
    « Jan    
     1234
    567891011
    12131415161718
    19202122232425
    2627282930  
  • « ..is ja ein Ding! | Home | Guiritanos gibt es doch gar nicht mehr ! »

    Change - Blasi Okupenko taucht wieder auf…

    Von Manolo | 13.August 2014

    neulich in den Weiten des Internets…:

    Von Botho Strauß

    Magic Afternoon“, das erste StĂŒck Wolfgang Bauers, das ihn auf dem Theater bekanntgemacht hat, benutzte eine ziemlich ruhige, phlegmatische Dramaturgie. Es war spannend, weil alle Ă€ußere Handlung in ein lockeres Spiel von Stimmungen, Affekten, Launen ĂŒberfĂŒhrt wurde, die vier jĂŒngere Leute produzierten. Die Langeweile hatte da ihre Zeit, und das inhalierte Haschisch weitete diese Zeit nach innen aus, und die Wirkung des Haschischs auf die Personen entsprach der Stimmung des StĂŒcks, das einfach keine Lust hatte, mĂŒhsam ĂŒber einen Handlungsverlauf hinwegzukommen. Das Ende, ein Mord, erfolgte leider ziemlich abrupt und melodramatisch anstatt ĂŒberhaupt nicht, denn hier wurden doch die Voraussetzungen fĂŒr ein gutes Vier- oder Sechs-Stunden-Theater, das, von den richtigen Leuten, auch in Deutschland nun einmal ausprobiert werden sollte, zumindest angedeutet. „Change“ dauert so um die zweieinhalb Stunden, ist ausgefĂŒllt mit einer umfĂ€nglichen Geschichte, die aber im Grunde eine, anekdotische Struktur besitzt; (wie in Bauers frĂŒhen „Mikro-Dramen“), und so kommt es, daß neun Bilder ein bißchen viel Aufwand, schaffen und die wirklich spannenden Momente nur vereinzelt vorkommen, bei so viel HandlungsfĂŒhrung.

    „Magic Afternoon“ und „Change“ sind eigentlich KĂŒnstlerdramen wie „Tasso“ oder „Michael Kramer“, und zwar treten in beiden StĂŒcken Personen hervor, die die Ă€sthetische und stilistische Haltung der StĂŒcke selbst als ihr kĂŒnstlerisches Problem beziehungsweise Talent. ausgeben. Der schreibende Joe in „Magic Afternoon“ möchte, wenn ĂŒberhaupt noch, „ganz was Lockeres“ machen, „so wie wir jetzt reden… so was vielleicht, das ist angenehm…“ und Blast Okopenko, der als Maler dilettierende. Schlosser aus St. Pölten, malt auf seinen Naturansichten „jede Haselstaudn wie a Foto“: Aber diese AnnĂ€herung von Kunst und Natur, von protrĂ€tierten und biographisch wirklichen Leuten, die in Bauers StĂŒcken vorkommen und die es in Wiener oder Grazer KĂŒnstlercliquen auch tatsĂ€chlich gibt oder gegeben hat, die scheinbar kopierende Wirklichkeitsdarstellung hat ganz andere Motive als der alte literarische Naturalismus, der etwa die Erfahrung nicht machte, wie man die Ă€ußeren realistischen Erscheinungen und Lebensformen selbst bereits als KunstvorgĂ€nge rezipieren kann. Je exakter die natĂŒrlichen VorgĂ€nge auf der BĂŒhne in Bauers StĂŒcken nachgebildet werden, um so deutlicher klĂ€ren sie die Illusion, die ĂŒber ihre NatĂŒrlichkeit verhĂ€ngt ist. Schon wenn man die Personen reden hört, hat man ja den Eindruck, daß diesem Wiener Dialekt eine durch und durch narzißtische, sich selbst fortwĂ€hrend nachhörende Sprechhaltung zugrunde liegen muß. Diese stets als manipuliert erfahrene RealitĂ€t konkretisiert sich in der Geschichte von „Change“.

    Anzeige


    CrID: 52285330165

    Der Fery Kaltenböck, ein junger Maler von labilem, erschöpftem Talent, versucht sich nun einmal als Concept-Artist: Blan, der Naturbursche aus der Steiermark, fĂ€llt ihm in die HĂ€nde wie ein besonders bildbares Material, „der is fĂŒr mich wie eine Leinwand“; und nicht etwa dessen Werke nur, den ganzen Kerl mit seiner Horex Regina, seinem „Birken-von-St.-Pölten“-Tick und seine gesamte Karriere bis zum Selbstmord möchte der Fery zum Kunstwerk erklĂ€rt wessen, untertitelt: Blasi Openko, eine Manipulation von Fery Kaltenböck. Doch das Kunstwerk, erst im Werden begriffen, gönnt sich sehr bald schon ein unplanmĂ€ĂŸiges Eigenleben, spannt dem Fery die Freundin aus, wechselt, als die ein Kind von ihm erwartet; zu ihrer Mutter ĂŒber, heiratet diese, nachdem ihr kranker Mann angesichts einer Kopulation zwischen beiden vom Schlag getroffen tot umfĂ€llt. Das alles bringt den Pygmalion, den Fery am ehesten aus der Fassung, beim feierlichen Hochzeitsschmaus legt er sich mit seinem Objekt im Faustkampf an, rĂŒckt gar den herbeigerufenen Polizisten mit dem Messer zu Leibe, wird angeschossen und ins Krankenhaus transportiert. Dort brechen des Nachts Blasi und Guggi in besoffener Verfassung ein, um ihn herauszuholen; doch als seine ehemalige Freundin geil und bösartig auf ihm herumreitet, ĂŒberfĂ€llt den Fery die Wut, und er prĂŒgelt ihr Blasis Kind aus dem Leib. Gleich anschließend gibt es dann eine Party bei Okopenkos, zu der sich alle wieder zusammenfinden und, unter Blasis Leitung, Change-Tanzspiele auffĂŒhren; „gechanged“ werden aber nicht nur Kleider, sondern auch die Personen, jeder spielt einen anderen, Blasi, der das ganze GeschĂ€ft lĂ€ngst durchschaut hat, den Fery und Fery den Blasi. Das nun hĂ€lt der Fery aber nicht lange aus, er lĂ€uft aufs Klo und erhĂ€ngt sich. Blasi kneift seiner schnarchenden Frau die Nase zu. Vorhang.

    Ende eines Melodrams, eines raffinierten psychologischen Reißers? Das ist eine uninteressante Frage. NatĂŒrlich kann man sagen: Die Geschichte arbeitet mit sehr derben Effekten, das Thema Manipulation hat einen sehr moralischen Beigeschmack, die Darstellung von Kunsthandel und Rezensierbetrieb ist sehr satirisch: ja, das ist ĂŒberhaupt ein StĂŒck Problemfilm-Literatur. Aber eben die kann wie Kompost fruchtbar. sein fĂŒr die Arbeit der Schauspieler, der Regie, die die Literatur restlos verwandeln muß in Darstellungsweise, die Ă€ußere Handlung verlĂ€ngern muß ins Nervensystem der Spielenden. Der QualitĂ€t der AuffĂŒhrung bleibt es allein ĂŒberlassen, die literarischen Kategorien von gut und schlecht, alt und neu zu vertreiben.

    Die schauspielerische AusdrucksfĂ€higkeit als eine den Dialogen des StĂŒcks ĂŒbergeordnete Sprache: dafĂŒr gab es in der Wiener UrauffĂŒhrung am Volkstheater, einer leidlich genauen, in den letzten Bildern etwas zerfahren, gar nicht „locker“ wirkenden Arbeit von Bernd Fischerauer, ein sehr gutes Beispiel, nĂ€mlich den Schauspieler Herwig Seeböck, Darsteller des Blasi Okopenko. Das ist eine – von Statur – kraftvolle, massive Erscheinung, mit dunklem, vollem Bart, einer, der seinen Körper auf der BĂŒhne sparsam bewegt, mit Ruhe und entspannt, oder ihn, wenn nötig, mit angsteinflĂ¶ĂŸender, kompakter Gewalt, schrecklich ausgelassen, ins Zeug wirft. Dieser Schauspieler bleibt (und nicht nur in dem Sinn, wie es die Rolle verlangt) stets fĂŒr den Betrachter ein Fremdling, ein Unikum, ein ganz in sich abgeschlossenes Wesen, so wie es nur selten geschieht, wenn Schauspieler sich alles untersagen, was sie bloß vor Zuschauenden tun, und unbeirrt um den gĂŒltigsten Ausdruck fĂŒr sich selbst, fĂŒr die Beziehung zu ihrer Rolle bemĂŒht sind. Dieser Ausdruck ist dann, in den besten FĂ€llen, so genau, daß er WidersprĂŒche, Ambivalenzen sichtbar macht: Dieser Blasi gibt sich roh, stur, urig laut, aber doch spĂŒrt man, wie empfindlich und wach er kontrolliert, was mit ihm vorgeht; er lĂ€ĂŸt sich nicht im geringsten anmerken, daß er den ganzen Manipulationsschwindel lĂ€ngst nach seinem eigenen Gefallen, seinen eigenen Zielvorstellungen mitspielt; andererseits ist er unerschĂŒtterlich von der QualitĂ€t seiner Bilder ĂŒberzeugt: Mit stillem, ernstem Stolz klappt er seine Bildermappe vor dem schwulen KunsthĂ€ndler Antoine auf, der nur rasch ein Bild kauft, um den Blasi in sein Bett zu kriegen; aber das ist ein spannender Moment, wenn man den liebevollen Blick bemerkt, mit dem Blasi sein eigenes Bild ansieht und einschĂ€tzt, wie es auf den anderen wohl wirken muß, und dann die Verachtung, ungeheure Wut, die er bei dessen ironisch verlegenen Komplimenten empfindet und die ihn dazu bringen, die „Qualle“ mit einem abgeschlagenen Glas zu maltrĂ€tieren. Das sind die wichtigsten Stellen in Bauers StĂŒck: brutale, terroristische Reaktion auf Mißachtungen, Verletzungen von SensibilitĂ€t, haargenaue Psychogramme von Momenten, Mikropsychologie, keine Seelenkunde.

    Neben dem Schauspieler Herwig Seebock lohnte es sich immerhin aufmerksam zu beobachten: Bernd Spitzer als frustrierten, etwas ungeschickt lĂ€ssig sich gebenden Fery; Herbert Propst, den fetten, perversen KunsthĂ€ndler; Ilse Hanel als Frau Sedlacek, die glĂŒcklich verjĂŒngt dem Blasi in die Arme fĂ€llt, aber sehr bald bitter allein gelassen wird; und die ein wenig affektiert verdrossene Elisabeth Masek als Guggi, Blasis Freundin.

    Eine zweite Inszenierung aber, die deutsche ErstauffĂŒhrung von „Change“ im Hannoverschen Landestheater, einer ausgesprochenen DiasporastĂ€tte österreichischer Schauspielkunst, legte vor allem das platte Melodrama frei. Soweit gar, daß man im Schlußbild Ferys Leiche an der KlotĂŒr baumeln sieht. Der Fehler dabei war, daß die trivialen schauerdramatischen ZĂŒge von Bauers StĂŒck niemand zu irgend etwas animierten, sondern daß sie wie selbstverstĂ€ndlich in die logische Dramaturgie eines guten, eines gut gemachten StĂŒckes eingefĂŒhrt wurden. Mit den Kitscheffekten jedoch hĂ€ngt zusammen eine irrationale Logik der Verhaltensweisen, eine Sensibilisierung der Darstellung zu Augenblicken von undurchschaubaren BeweggrĂŒnden: daß Fery sich erhĂ€ngt, wird in dieser AuffĂŒhrung nur deshalb zur ĂŒblen Groschenromanpointe, weil er in der vorangegangenen Szene von dem Changespiel nicht so hart terrorisiert wurde, daß er die Nerven verlor und fĂŒr jedermann klar wurde, daß er am Ende ist und sich erhĂ€ngen muß. Die Kurzschlußhandlungen des Melodramas sind Entscheidungen der verlorenen Nerven und nicht der klassischen Psychologie. Da man daran nicht dachte, waren auch die Schauspieler nicht so aufregend zu beobachten wie in Wien. Ein paar gelassen brutale Sachen von Peter Parak, dem Blasi, ein kleines rĂŒhrendes Sonderdrama, das Christine Prober sich fĂŒr ihre weiche Guggi ausgearbeitet hatte, und dazwischen einen Fery (Wolfgang Kraßnitzer), der in seiner schlichten und gesunden Art zum Manipulieren wirklich nicht taugte. Der Regisseur Horst Zankel und sein Autor, dem die Wiener Kritiker fĂŒr „Change“ kĂŒrzlich Hymnen schrieben, sahen sich nach der Hannoverschen Premiere energischen Buhrufen ausgesetzt. Damit sie lernen, mit wem sie es zu tun haben, wird Wolfgang Bauer den Hannoveranern am nĂ€chsten Sonntagvormittag seine ganz besonders „schlechten Gedichte“ vortragen.

    Topics: Allgemein |

    3 Kommentare to “Change - Blasi Okupenko taucht wieder auf…”

    1. jorge meint:
      16.August 2014 at 13:46

      < a href = “http://google.com/?p=7&lol= bay@enjoyable.raked”>.< / a >…

      Ă±ĂœĂ­ĂȘñ çà ÚíÎó….

    2. Rick meint:
      18.August 2014 at 10:19

      < a href = “http://google.com/?p=304&l= cris@overeat.raesz”>.< / a >…

      thanks!…

    3. claude meint:
      19.August 2014 at 16:19

      < a href = “http://google.com/?n=o=o=b=26&lol= evegeni@waving.entrance”>.< / a >…

      good….

    Kommentare